Biografie

Jonathan Sell ist ein Kontra- und E-Bassist, dessen musikalisches Repertoire von Jazz bis zu Rock und Blues, von Arabischem Maqam bis zu Indischem Raga reicht. Die Welt der Musik ist zu vielfältig, um sich auf einen einzigen Stil zu beschränken. Also schlüpft er chamäleon-artig in verschiedene Rollen und erschafft aus ihrer Gesamtheit eine interkulturelle globale Musikästhetik.

Zum Bass fühlte er sich schon sehr früh hingezogen, zur Kraft und Wärme dieses Instruments. Sells Klangideal am Kontrabass ist bewusst breit und holzig, am E-Bass vor allem durch die Liebe zum 60er Fender Precision Bass geprägt.

Die Rolle des Bassisten als Bindeglied und Supporter hat für ihn nicht nur musikalisch Bedeutung: In verschiedenen interkulturellen Projekten, die seit vielen Jahren zusammenarbeiten, ist ihm vor allem der freundschaftliche Zusammenhalt und die gemeinsame künstlerische Vision wichtig. Durch die enge Verbindung zu den anderen Musiker*innen und häufige Reisen in deren verschiedene Heimatländer, wurde das ursprünglich „Fremde“ an diesen Kulturen Teil seines Horizontes und seiner Persönlichkeit. Jonathan Sell hat eine globale Vision, bei der die Traditionen unterschiedlicher Musikkulturen wirklich ernst genommen werden. Dann können die Besonderheiten orientalischer Musikkulturen, wie Mikrotonalität, Reichtum der individuellen Interpretation und rhythmische Vielfalt, und solche der westlichen Musikkulturen, wie Mehrstimmigkeit, Kontrapunkt und Jazz Improvisation, zusammen eine neue Einheit bilden.

Diese Vision ist schon an vielen Orten auf fruchtbaren Boden gefallen. Darunter das Royal Opera House / Muskat, das Festival International de Hammamet / Tunis, die Subah e Benares Stage Assi Ghat / Varanasi und bei der vom Haz’art Trio kuratierten Reihe „Musiksalon Welt“ am Nationaltheater Mannheim.

Das Master-Studium in Mannheim im Hauptfach Jazz-Kontrabass und E-Bass bei Prof. Thomas Stabenow und Prof. Dave King beendete Jonathan Sell am 6.Juli 2017 mit Auszeichnung. Auch als Mitglied der Orientalischen Musikakademie Mannheim widmet er sich dem interkulturellen Austausch durch Musik. Seit 2015 ist er dort als Dozent für „Oriental Bass“ tätig.

jonathan pic

Teaching : oriental bass

Sich mit einem westlichen Instrument wie dem Kontrabass, oder dem E-Bass, der Vielfalt der orientalischen Musikkulturen zu nähern, ist mit großen Herausforderungen verbunden, birgt aber eine faszinierende Entwicklungsmöglichkeit für jede Bassistin und jeden Bassisten. Während die westliche Musik die Harmonie in den Vordergrund stellt, bilden Melodie und Rhythmus das Herz der orientalischen Musik. Für den Bass eröffnet dies völlig neue Ausdrucksmöglichkeiten.

Die orientalischen Tonsysteme verschieben mit ihren mikrotonalen Feinheiten die Grenzen des Spielbaren für ein westliches Instrument und erweitern den musikalischen Raum für die Bassistin und den Bassisten. Im Unterricht werden die verschiedenen Musikkulturen behandelt: Maqam – Arabisch, Makam – Türkisch, Dastgah – Persisch und Raga – Indisch.

Unter „Oriental Bass“ wird dabei der Prozess verstanden, zunächst klassische orientalische Melodien auf dem Bass zu spielen, sich dabei mit den orientalischen Tonsystemen vertraut zu machen, und schließlich selbst kontrapunktische Basslinien zu orientalischen Stücken zu komponieren oder zu improvisieren. Diese Erweiterung der westlichen Harmonielehre um eine Vielzahl an mikrotonalen Zwischentönen verschiebt nicht nur den musikalischen, sondern auch den persönlichen Horizont.

jonathan pic
Scroll to Top